Das Streben nach einer emissionsfreien Welt ist zwingend erforderlich - und etwas, wozu sich alle vernünftigen Menschen gemeinsam einsetzen können. Richtig?
Tatsächlich kann die Einführung von Smart City Lösungen, die den CO2-Ausstoß reduzieren, auf große Hindernisse stoßen. Manchmal scheitern die Bemühungen, weil verschiedene Interessengruppen zusammenarbeiten, die unterschiedliche Ziele und Arbeitsweisen haben.
Auch dann werden die Entscheidungen oft von ernsthaften politischen Interessen geleitet, unabhängig vom wissenschaftlichen Konsens. Die Ablehnung einer umweltfreundlichen Initiative durch einen Bürgermeister kann eine Reaktion auf den Druck von Wählern sein, die befürchten, dass ihre wirtschaftlichen Interessen beeinträchtigt werden könnten. Das kann frustrierend sein, aber so läuft es manchmal.
Dann ist da noch die Tatsache, dass der Aktionszeitraum einer Umweltinitiative weit in die Zukunft reichen kann. Er ist oft länger, als die Amtszeit der meisten gewählten Politiker, die manchmal dazu neigen, eher kurzfristig zu denken.
Und so weiter. Wie stellen Sie also sicher, dass Smart City Initiativen tatsächlich umgesetzt und auch zukünftig unterstützt werden, wenn sie erst einmal angelaufen sind? Angesichts des komplizierten Interessengeflechts, das bei jeder großen öffentlichen Initiative ins Spiel kommt, gibt es wahrscheinlich keine Patentlösung. Wir haben uns drei Projekte angeschaut, die erfolgreich auf den Weg gebracht wurden. Und wie die Smart City Verfechter sie realisiert haben und weshalb ähnliche Projekte andernorts weniger gute Ergebnisse erzielten.
Nach 16 Jahren funktioniert nun das City-Maut-System für die Londoner Innenstadt. Bei der City-Maut handelt es sich um eine Gebühr (11,50 £ täglich im Jahr 2019) für die Fahrt mit dem Auto ins Zentrum Londons und zwar während der Hauptverkehrszeiten von Montag bis Freitag und von 7.00 bis 18.00 Uhr.
Im vergangenen Jahr ging das Verkehrsaufkommen in dem betreffenden Gebiet um 25 Prozent zurück, verglichen mit dem Wert zehn Jahre zuvor. Die Zahl der Privatfahrzeuge, die in die City-Maut-Zone hineinfuhren, sank bis 2014 um 39 Prozent. Die Emissionen von Stickoxiden und Feinstaub sind deutlich zurückgegangen. Und da viele Autos schlicht nicht mehr da sind, hat sich eine gesündere Stadtkultur entwickelt: Bis 2016 stieg der Fahrradverkehr in der City-Maut-Zone um 210 Prozent an.
Das Programm hat den Londoner Bürgern sowohl ökologische Vorteile als auch materielle Vorteile geboten - letzteres in Form des Versprechens, das öffentliche Verkehrssystem der Stadt zu modernisieren. Und diese Verbesserungen kamen tatsächlich zum Tragen: Bereits am ersten Tag des Projektes waren, als Zeichen der Leistungsfähigkeit und des Vertrauens der Stadt, 300 neue Busse auf den Straßen unterwegs, um den Zuwachs an neuen Fahrgästen zu bewältigen. Das 'Centre for Public Impact' bescheinigt dem Programm, dass es “von der Bevölkerung weitgehend akzeptiert wird", und die Londoner Stadtverwaltung plant weitere, nachhaltige Smart City Initiativen.
Im Gegensatz dazu steht eine Initiative in New York City: Das brandneue City-Maut-Programm stößt dort auf erheblichen Widerstand. Ein Teil des Problems dürfte darauf zurückzuführen sein, wie die Politiker den Plan verkauft haben. Sie stellten die City-Maut als eine Möglichkeit dar, finanzielle Mittel für die Reparatur des maroden U-Bahn-Systems der Stadt zu generieren. Das erweckte den Anschein, dass Autofahrer für die Fehler der Politiker bestraft werden sollten, die den Verfall der U-Bahnen überhaupt erst zugelassen haben. Bei solchen Angelegenheiten ist Vertrauen immens wichtig.
Die verantwortlichen Politiker überschlagen sich förmlich dabei, Ausnahmeregelungen für ihre Wähler zu erteilen. Umfragen deuten darauf hin, dass die New Yorker eine 'Millionärssteuer' vorziehen würden, um die dringend benötigten Verbesserungen des öffentlichen Nahverkehrs zu bezahlen.
Weit entfernt von den Technologie-Metropolen an den Küsten hat sich Kansas City, Missouri, als zukunftsorientierte Smart City etabliert.
Vor drei Jahren startet das Smart City Programm von Kansas City mit 15 Millionen US-Dollar als öffentlich-private Initiative mit Partnern wie Cisco und Sprint. Ein 54 Blöcke umfassendes Gebiet wurde mit interaktiven Info-Terminals, intelligenten Ampeln und Straßenleuchten, kostenlosem Wi-Fi und einer Straßenbahnlinie ausgestattet.
Wie wurde Kansas City zu einem Vorzeigemodell einer intelligenten Stadt? Manchmal erscheinen Smart City Konzepte verschwenderisch oder allzu utopisch. In Kansas City ist es jedoch gelungen, die Stadt in ihrer Identität zu stärken: Sie ist eine solide mittelamerikanische Stadt, die sich einen fußgängerfreundlichen Stadtkern zurückerobert, der über Jahrzehnte hinweg durch klimaschädlichen Autoverkehr und urbanen Strukturverlust erheblich beschädigt wurde.
Es schadet auch nicht, dass Bob Bennett, Chief Innovation Officer von Kansas City, ein wortgewandter Techie und lokal tief verwurzelt ist. In Interviews präsentiert er seine Projekte überzeugend als einen Versuch, die 'Probleme der Menschen' zu lösen. (Ganz zu schweigen von den Problemen der Hunde. Kansas City bietet auch smarte Hundehütten an.) Seine Einstellung passt gut in eine Phase der Gegenreaktion auf Technologie. Menschen wollen zwar die praktischen Lösungen, die Technologie bietet, aber ohne den damit oft verbundenen Anspruch, die ganze Welt zu verändern.
Detroit war allzu lange ein Beispiel für den postindustriellen städtischen Verfall und ist jetzt wieder auf dem Weg zurück.
Ein Grund dafür ist der deutliche Rückgang der Kriminalität in der Stadt: 21 Prozent im Zeitraum von 2014 bis Ende 2018. Dies ist zum Teil auf das Projekt ‚Green Light‘ zurückzuführen, das ein Beispiel dafür liefert, wie Regierungen Technologien nutzen können, die zur Senkung der Kriminalität beitragen, ohne dass es zu Gegenreaktionen von Aktivisten kommt.
Das Projekt 'Green Light' erlaubt es den Polizeibeamten im 'Real Time Crime Center' in Detroit, bestimmte Gebiete rund um die Uhr mit Kameras zu überwachen. Zurzeit sind das Tankstellen im gesamten Stadtgebiet.
Obwohl das Programm in den Medien Kritik hervorgerufen hat, gab es keinen gravierenden Protest der Öffentlichkeit. Die Stadt setzt es sogar im öffentlichen Wohnungsbau um. Die Kriminalitätsrate in Detroit ist seit langem erschreckend hoch. Neue Lösungen zur Verbrechensbekämpfung sind deshalb willkommener, als sie es normalerweise gewesen wären. Aber die Akzeptanz des Programms hat auch viel mit dem Engagement der Bürger zu tun. Die Tankstellenbesitzer, nicht die Polizei, installieren und besitzen die Kameras und leihen sie praktisch an die Behörden aus.
Das System überträgt die erfassten Bilddaten, archiviert sie aber nicht, was zum Schutz der Privatsphäre der Bürger beiträgt. Unternehmen signalisieren ihre Teilnahme an dem Programm durch eines hellgrünes Lichts auf dem Gelände. Dies gab dem Projekt seinen Namen. Das grüne Licht signalisiert jedem Besucher, dass er eine überwachte Zone betritt.
Und wie sieht das an anderen Orten aus? Mit einem kürzlich in Orlando durchgeführten Projekt zum Einsatz von Technologien zur Gesichtserkennung wurden Gegenreaktionen von Bürgerrechtlern, Einwohnern und sogar Mitarbeitern von Amazon, dem Technologiepartner der Stadt Florida, ausgelöst. Die Proteste waren so heftig, dass das Projekt für eine Weile auf Eis gelegt wurde (obwohl es seit Ende 2018 wieder läuft).
Das Projekt in Orlando ist weit davon entfernt, die Zustimmung der Bürger zu erhalten. Es führt eine neue Technologie ein, die von oben entschieden wurde. Die Gesichtserkennung ist etwas ganz anderes, als die Videokameras in Detroiter Projekt, die ja bereits in Geschäften und anderen Bereichen üblich sind. Die Tatsache, dass in Orlando der Technologie-Riese Amazon beteiligt ist, macht es nicht einfacher und führt zu Gegenreaktionen.